Libralop

…als sähe niemand zu. Seit 110 Tagen.

Gebete von Kosmonautenkindern

»Du herrschest über das ungestüme Meer, du stillest seine Wellen, wenn sie sich erheben.«

Diesen Bibel-Psalm hatte ich heute morgen im E-Mail-Fach. Das Ausleben einer Religion ist mir fremd. So dachte ich darüber nach, ob der Spruch etwas für mich bedeuten könnte. Wer oder was wäre dieses »Du« für mich, wenn ich doch keinen Gott habe?

Schaue ich ins Internet, sehe ich neben den wunderbaren Nichtigkeiten und der großen Kunst viele Diskussionen, Meinungskämpfe, unversöhnliche Streitigkeiten. Es ist ein Wald, in dem vielleicht nichts oder vielleicht auch alles lebt. Gutes. Böses. Dunkelheit, wie ein Käfig. Und doch gehe ich täglich hinein. Fragen Sie mich nicht, warum. Darauf gibt es keine Antwort.

»Du herrschest über das ungestüme Meer, du stillest seine Wellen, wenn sie sich erheben.«

Ich glaube, für mich ist dieses »Du« das echte, gesicherte Wissen, dass es ein Leben außerhalb dieses Waldes gibt. Mit echten Menschen, echten Sorgen, aber auch echten Chancen für ein gemeinsames Miteinander. Freunde, denen ich helfen kann, einfach so. Freunde, die mir helfen, einfach so. Ideen. Bienen. Bücher. Bilder. Sehnsüchte. Antworten. Fragen.

Wir sind alle beschädigt.
Keiner schafft's allein.
Ihr komplettiert mich.
Nicht dieser Wald.

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Freitag, 31. März 2017 · Herzgedacht

2017-03-29

Morgenlicht, langschattig, verschwörerisch. Rolle in den Gegenwind, vorbei an Autokolonnen. Fahrten Richtung Westen sorgen für einen warmen Rücken aus Osten. Kältelose Frische. Eine Sirene, die piepend mit dem Takt der Musik schwingt. Wenn das rückwärts Einparken eines Müllwagens von David Lynch inszeniert wird, kann der Tag nur gut werden.

Lebensmenschen: Es gibt sie.

Das alte Leben zieht mich gerade wieder an sich. Ich gebe mich ihm hin, weil es wichtig ist. Oder ist es nur die Sorge, das Kind könne in 10 Jahren »Meine Eltern haben sich versteckt und das Maul gehalten« sagen? Die eigenen Ängste sind in all ihrer Fiktionalität stets die realsten.

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Mittwoch, 29. März 2017 · Tägliches Allzutägliches

2017-03-07

In some crazy way, I think that we often listen to the music which represents what we want to be like. It feels like we're trying to catch somebody who's faster than we are. But, when I hear this music it becomes perfectly clear. THIS is what I am. And stopping, instead of running, feels so good! It would be nice to have a place to go, where people sit quiet and relaxed and listen to this music, without talking. Paradise for introverts. Бојан Квргићvor über das Album »Piano Nights« von »Bohren und der Club of Gore«

Früher dachte ich, Vergessen können sei ein Geschenk, das es mir ermöglicht, all die schlimmen Dinge auszublenden, die mir widerfahren. Doch das funktionierte letztlich so gut, dass ich auch die schönen Dinge aus meiner Erinnerung verlor. Es ist meine Dankbarkeit, die ich anderen Menschen damit vorenthalte. Ich besitze sie, nur weiß ich nichts mehr davon. Und das ist das eigentlich Traurige: Etwas sein Eigen zu nennen, das man aber nicht verschenken kann, weil man nicht weiß, welcher Schatz da im Keller der Seele liegt.

Morgen ist internationaler Frauentag. Als Kosmonaut verpflichte ich mich, jeder meiner Kolleginnen ein kleines Sträußchen zu schenken. Freundschaft!

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Dienstag, 7. März 2017 · Tägliches Allzutägliches